That’s life- das Leben in meiner WG, von Mitbewohnervereinbahrung, fremden Sprachen und Hashtags

IMG_7931 (3)Mir sagte vor Kurzem ein Mitglied meiner wie ich sie nenne „Südtiroler Fan Base“ ich solle doch einfach mal über Geschichten aus meinem Leben schreiben. Zb solle ich unbedingt etwas über meine WG schreiben. Ich habe das etwas belächelt und dachte mir dann „wer will denn etwas über meine WG lesen“? Aber dann habe ich etwas genauer darüber nachgedacht und festgestellt, er hat recht. Meine WG ist nämlich (und das offensichtlich nicht nur in meinen Augen) keine normale „Wohn Gemeinschaft“. Wir wohnen nicht aus Zweck zusammen um uns Miete zu sparen und sonst nichts voneinander hören zu müssen. Wir leben wirklich zusammen und sind direkt eine kleine „family“.  Allein unsere Zusammenstellung ist sehr ungewöhnlich: ich die Deutsche unter zwei Südtirolern und einer Österreicherin aus dem stolzen „Woidviertel“.

Das es da allein sprachlich und kulturell lustig zu geht, erklärt sich von selbst. Da die Südtiroler bei uns in der Überzahl sind und unsere Wohnung hin und wieder zum lustigen „Südtiroler-Treff“ mutiert, bleibt mir und der Österreicherin also nichts anderes übrig als Südtirolerisch zu lernen. Und damit wir unsere liebe Waldviertlerin beim nächsten „Woodman“ in Wien nicht blamieren, versuchen die Südtiroler und ich uns inzwischen am „Woidviertlerisch“, dass man aber niemals mit Wienerisch gleich setzen sollte und am authentischsten mit einem Zwettl in der Hand wirkt. Was ich dabei inzwischen für ein Kauderwelsch daher rede muss ich glaub ich nicht dazu sagen…

Naja und wenn man schon zusammen wohnt, wieso nicht auch zusammen ausgehen? Und dank der vielen Leute meiner Mitbewohner (ich habe das Gefühl inzwischen halb Südtirol in Wien zu kennen) wird das nie langweilig. Nach dem Ausgehen ist es dann Pflicht sich in der Küche am Esstisch (einem „echten“ Südtiroler Bauerntisch dank Messergravuren) zur berühmten „After“ zu treffen. Egal wie besoffen, man trifft sich nochmal zu einem kleinen „Nachtmahl“ (meist bestehend aus Clever Pizza, Thunfisch-Mais Nudeln oder orginal Südtiroler Speck- gegebenenfalls auch ein Nutellabrot vom Boden) bevor man sich zur Ruhe legt. Inzwischen ist die After schon zu einer derartigen Institution geworden, dass sie in der Mitbewohnervereinbarung verankert wurde. Ja richtig, wie bei Big Bang Theory eine Mitbewohnervereinbahrung. Einer der oberen Paragraphen besagt zB dass wir innerhalb unserer Wohnung nur von den „heiligen Hallen“ sprechen. Oder auch ganz wichtig und in der Mitbewohnervereinbahrung enthalten: Skifahren schauen! Zu jeder Tages und Nacht Zeit egal wann, Skifahren zu schauen hat immer Priorität. Wenn dann die halbe Wohnung zusammen geschrien wird weiß ich, es ist wieder so weit. Mit drei Skifahr-fanatischen Mitbewohnern bleibt mir dann keine Wahl als mit schauen zu müssen (ist schließlich auch in der Mitbewohnervereinbahrung verankert). Langsam kapiere ich sogar auch den Unterschied zwischen Slalom und Abfahrt… naja glaube ich zumindest.

Tja aber was passiert wenn man nicht zusammen ausgeht? Wenn man die einzige Person aus der WG ist die zu Hause bleibt? Dann werden Hashtags wie „#sophiamissing“ unter die verdammt lustigen Snaps gesetzt, damit man sich so richtig schlecht fühlt nicht mit dabei zu sein (ich liebe euch Leute… ). Aber manchmal hat es auch etwas faszinierendes nicht mit aus zu sein. Dann passiert es zB dass ein besoffener Südtiroler der nicht mehr Heim findet sich ganz selbstverständlich in dein Bett neben dich legt während du tief und fest schläfst. Und ehe du überhaupt verstanden hast was da gerade passiert, schnarcht der schon so seelenruhig und du bekommst ihn einfach nicht mehr aus deinem eigenen Bett raus. In dem Moment vielleicht nicht lustig, aber im Nachhinein habe ich noch nie so gelacht. Besonders wenn man sich vor Augen hält welche Gentlemans derartige Südtiroler sind. Gut sie legen sich zwar sturzbesoffen in dein Bett, aber sie lassen dich in Ruhe und am nächsten Tag machen sie ganz selbstverständlich das Bett und bedanken sich dafür, dass sie neben dir schlafen durften. Oder es kann auch passieren, dass einfach fremde Möbelstücke angeschleppt werden. Du als mitunter einzig nüchterne Person weißt dann im Gegensatz zu den restlichen Mitbewohnern die sich komischerweise dank des Alkohols am nächsten Tag an nichts mehr erinnern können, warum da jetzt so ein komischer Tisch bei uns auf dem Flur steht. Ich habe das Gefühl manchmal noch nie so viel Gelacht zu haben wie mit meiner WG…

Aber wer denkt bei uns dreht sich alles ums Skifahren schauen und Saufen täuscht sich. Wenn wir am nächsten Tag früh aufstehen müssen, beauftragen wir uns gegenseitig uns zu wecken. Gut es kann schon mal passieren dass der beauftragte „Weckdienst“ gerade erst vom Ausgehen zurück kommt, aber das ist ja irrelevant. Und in der Prüfungszeit treffen wir uns am Küchentisch nicht zur After, sondern um gemeinsame Lern-Pausen zu machen. Oder fragen uns gegenseitig mit dem Prüfungsstoff ab. Wir passen aufeinander auf und das finde ich das Schöne bei uns. Und genau das macht meine WG zu einer besonderen WG: wir sind uns gegenseitig nicht egal. Ich wünsche wirklich jedem in so einer WG zu leben.

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