„Hilfe ich bin dumm!“- Fazit nach einem Semester Philosophie Studium

IMG_4185 (2)Philosophie…. oh allein wenn ich das Wort schon höre, schlägt mein Herz schneller. Anfangs hatte ich überhaupt keine Ahnung, was man da wirklich so macht und hab mit einer „no risk no fun, das klingt intellektuell und ein bisschen gebildeter wollte ich schon immer mal wirken“- Einstellung zu studieren begonnen. Ich setzte mich also einfach so zum Spaß in Philosophie Vorlesungen, um irgendwie mal ein bisschen meinen Intellekt aufzufrischen. Tja und ich weiß nicht wie, ich verliebte mich sofort in diesen Studiengang. Wenn ich jetzt gefragt werde,  was man denn jetzt in Philosophie macht und warum ich es studiere, kann ich es immer noch nicht wirklich genau sagen. Schließlich wird sich bis heute ja immer noch gestritten was Philosophie überhaupt ist.

Aber ich kann sagen, dass ich bis jetzt aus fast allen Vorlesungen raus kam und gestrahlt habe wie ein Honigkuchenpferd, da ich das Gefühl hatte mal wirklich was für mein Leben gelernt zu haben. Philosophie macht mich wirklich glücklich. Man macht sich u.a. mal Gedanken über die wirklich zentralen Fragen des Lebens wie „Was ist die menschliche Identität“ oder „Existiert ein Gott und wenn ja, kann er eingreifen oder nicht?“. Meist kommt man mit noch mehr Fragen aus der Vorlesung als zuvor, also wer wirklich Antworten darauf sucht ist bei Philosophie falsch. Aber sich allein darüber mal Gedanken gemacht zu haben, wirkt bei mir wie eine Art Meditation und Gehirnjogging zugleich. Man vergisst seine komisch banalen Alltagsgedanken und -fragen, wie „Muss ich heute noch einkaufen?“ oder „Was zieh ich heut Abend an?“. Schließlich sollte man sich komplett auf das vorliegende Problem oder Frage konzentrieren, um dann auch die verschiedenen Lösungsansätze zu verstehen, die es meist ganz schön in sich haben.

Schön fand ich dabei auch immer, dass die Professoren dazu aufforderten uns eine eigene Meinung zu bilden und auch Kritik an Lösungsansätzen berühmter Philosophen zu äußern. Der Stoff wird einem nicht so wie bei meinem zweiten Studiengang Publizistik einfach so zum Fraß vorgeworfen nach dem Motto „das ist der Stoff- fröhliches Auswendiglernen“, sondern man soll sich auch seine eigenen Gedanken dazu machen. In der Theorie finde ich es ja wirklich fantastisch seine eigene Meinung dazu zu äußern. Naja, in der Theorie. In der Praxis fand ich meist alle Lösungsansätze der vorgestellten Philosophen so plausibel und so grandios, dass ich mich nie für eine Seite entscheiden konnte. Auch wenn ich es nur zu gern wollte, ich konnte mir keine eigene Meinung bilden. Und da beschlich mich schon langsam ein grauenhafter Gedanke, bin ich etwa nicht gebildet genug für dieses Studium- sprich dumm?

Ich hab ja mal gehört, man weiß dass man den richtigen Studiengang studiert, indem man sich mit den Leuten die in der Vorlesung sitzen identifizieren kann. Nun, relativ vorsichtig ausgedrückt: bei Philosophie ist das bei mir überhaupt nicht der Fall. Es scheint verschiedene Arten von Philosophie Studenten zu geben. Zunächst sind da die etwas älteren, die im hohen oder mittleren Alter erkannt haben, dass sie sich gern nochmal in eine Uni setzen möchten um Philosophie zu studieren. Dann sind da die Barfußlaufenden rebellisch alternativen Dreadlock-Hippies, die Philosophie studieren um der Frage auf den Zahn fühlen, warum unsere Gesellschaft so nicht funktioniert. Und nicht zu vergessen, die super intelligenten „grauen Mäuschen“, die sich kaum in der Vorlesung melden, wenn sie aber mal etwas von sich geben ist jeder nur von den Socken, da es nur so vor Intelligenz strotzt. Die meisten schreiben in der Vorlesung nicht mal mit, da sie sich offensichtlich alles so merken können. Faszinierend finde ich auch den „Dresscode“ im Philosophie Studium- ich sag immer, selbst wenn ich im Schlafanzug in der Vorlesung sitzen würde, würde das überhaupt nicht negativ auffallen.

Aber zurück zum Thema. Was haben wohl all diese drei Gruppen von Philosophie Studenten, zu denen ich mich nicht zähle, ganz eindeutig gemeinsam: sie sind alle „blitzgescheid“ , können zu allem eine Stellung beziehen und dir auch ganz genau begründen warum dieser super kluge Professor aus Cambridge unrecht hat.

Besonders bemerkbar macht sich das im Tutorium, das manchmal nur dazu dient über den Stoff zu diskutieren. Da wird dann oft mit Fachwörter direkt gebattelt, die ich in meinem Leben noch nie gehört habe und dann frage ich mich des Öfteren, sitze ich hier tatsächlich im Tutorium für Erstsemestrige?! Denn ich würde zugern auch so richtig auf den Tisch hauen und irgendein kompliziert klingendes Wort von mir geben um zu beweisen: oh ja ihr Lieben, ich kann auch meine Meinung äußern! Aber meist trau ich mich dann doch nicht so ganz, denn irgendwie habe ich mich mit der bitteren Wahrheit schon abgefunden. Auch wenn ich mit dem Philosophie Stoff nie Probleme hatte, ich bin meinen Mitstudenten weitaus unterlegen. Ich bin dumm.

Vielleicht sollte ich deshalb fürs zweite Semester einfach ein Fremdwörter Lexikon auswendig lernen, um mit lauter klug klingenden Worten, die kein Mensch kennt, meine Stellung zu beziehen. So habens meine lieben Mitstudenten bestimmt auch als Vorbereitung fürs erste Semester gemacht….oder?!

Wie dem auch sei. Sagte nicht auch schon Sokrates „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“? Eben. Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Und ich habe mich erst vor Kurzem mit einem Kumpel, über meine frustrierende Dummheit unterhalten. Er meinte, die meisten wirklich dummen Menschen erkennen nicht einmal, dass sie dumm seien. Also es besteht Hoffnung…. Schön zu hören. Natürlich werden die Philosophie und ich trotz meiner Dummheits-Einsicht keine getrennten Wege gehen. Im Gegenteil, mich freuts schon auf das nächste Semester und wer weiß, vielleicht kann ich auch irgendwann mal meine Meinung richtig intellektuell „klugscheißerisch“ äußern 😉

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