Die zentrale Frage im studentischen Leben eines „Piefke“: Warum denn jetzt eigentlich Österreich?

IMG_3837 (2)„Warum denn jetzt eigentlich genau Östrerreich?“- oh wie mir diese Frage zum Hals raushängt. Tja aber ich sollte mich damit abfinden, egal ob in Deutschland oder in Österreich selbst, man muss sich als Deutscher immer rechtfertigen warum man hier studiert. „Sind in Deutschland die Unis nicht viel besser?“ oder „Ist ein Studium in Österreich nicht eigentlich kaum angesehen?“ dienen dann meist als Legitimität für die Frage, die ich eher gestellt bekomme, als „Wie gefällt es dir in Österreich?“.

Wenn Österreicher fragen warum ich hier studiere, kann ich’s ihnen eigentlich nicht verübeln. Österreich hat nämlich bzgl. der Kapazität mit den Massenstudiengängen ein bisschen zu kämpfen, denn im Gegensatz zu Deutschland ist Österreich so nett und nimmt jeden zum Studium auf. Und auch wenn ich bestimmt gerne in Deutschland studiert hätte, wenn ich einfach aufgrund von NC-Diskriminierung zu meinem Traumstudiengang nicht zugelassen werde, dann möchte ich da auch nicht studieren. Ich mein hallo, ich lass mir doch nicht vom deutschen Staat bzw. von der Bildungspolitik vorschreiben was ich zu studieren habe? Schließlich habe ich es mit einem relativ guten 2er-Schnitt an 26 Universitäten für Kommunikationswissenschaften in Deutschland probiert. Zugleich habe ich mich auch für BWL beworben. Trotz meiner schlechten Mathe Note wäre ich für BWL fast überall zugelassen worden, mit Kommunikationswissenschaften bin ich leider leer ausgegangen. Ich persönlich finde, das klingt irgendwie falsch. Also gut, wenn mich Deutschland nicht Kommunikationswissenschaften studieren lässt, geh ich lieber nach Österreich.

Im Vergleich zu Deutschland sind hier die Zulassungsvorraussetzungen einfach fairer. Und selbst bei Studiengängen mit einem Aufnahmeverfahren, zählt der nicht so gute Abi bzw. Matura Schnitt nicht, sodass man nochmal eine zweite Chance bekommt das zu studieren was man möchte. Wenn man hingegen in Deutschland keinen guten 1er Schnitt hat, hat man bzgl. der Studienwahl sehr große Einschränkungen. Klar könnte man jetzt sagen, dann streng ich mich beim Abi halt mehr an. Tja, aber wenn sich die Bildungspolitik teilweise nicht so ganz einig ist ob jetzt G8, G9 oder vielleicht ein Zwischenjahr vorhanden sein soll, sind die Bedingungen für das Abitur schon ein bisschen erschwert. Und mit Zentralabitur möchte ich jetzt gar nicht anfangen….

Ja ok ganz klar, natürlich ist die Bildungspolitik nicht Schuld an einem schlechten Abischnitt. Meine Mathekompetenzen sind leider nicht die besten, da kann die Bildungspolitik nun auch nichts dafür. Aber wenn dann meine Mathenote meinen Schnitt runterzieht, sodass ich nicht für Kommunikationswissenschaften zugelassen werde, ist das schon ein bisschen absurd. Schließlich benötigt man für Kommunikationswissenschaften kaum Mathe.

Ich finde deshalb, Deutschland kann sich hinsichtlich der Zulassung für Universitäten an Österreich ein Beispiel nehmen, das das Motto „Wissenschaft und ihre Lehre ist frei“ irgendwie auch bei der Zulassung beherzigt.

Aber gut, vielleicht bin ich in der Hinsicht auch einfach viel zu stark von meiner Vorgeschichte beeinflusst. Und vielleicht ist es für Deutsche nach wie vor so ungewöhnlich in Österreich zu studieren. Dennoch geht mir die Frage auf die Nerven. Für mich klingt es immer so ein bisschen, als ob Österreich so viel schlechter wäre als Deutschland. Das ist es doch definitiv nicht.

Und ich muss auch ganz ehrlich sagen, auch wenn ich hierher in erster Linie wegen meinem Studium gekommen bin, ich liebe Österreich. Nein ernsthaft, es ist irgendwie richtig abenteuerlich in einem anderen Land mit einer zwar ähnlichen, aber nicht komplett gleichen Kultur zu studieren.

Naja aber manchen Menschen kann ich das alles noch so oft erklären, irgendwie kommt die Frage doch immer wieder hoch. Hach es ist ein ewiger kleiner Kampf….

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