Wie man seit 650 Jahren in Wien studiert- ein Jubiläum das nicht spurlos vorbei gehen sollte

IMG_2472 (2)Als in Amerika noch die lieben Indianer unbeschwert durch das Land tobten, wurden ab 1365 an der Uni Wien bereits wichtige philosophische Werke vollendet. Zum Vergleich entstand die heutige Elite-Uni Harvard 271 Jahre später- da war die „Alma Mater Rudolphina “ schon Bildungsstätte zahlreicher Studenten gewesen. Sie ist die älteste Uni und eine der größten im deutschsprachigen Raum … und irgendwie scheint es fast niemanden zu interessieren. Halloho?! Hier wird ein 650-jähriges Jubiläum gefeiert und an den meisten geht das trotz bunter 650-Jahres-Fähnchen komplett vorbei.

Nun gut, ich persönlich denke der gute Rudi (alias Herzog Rudolf IV. ) hat sich so viel Arbeit gemacht die Uni zu gründen, da sollte man das als Student(in) dieser Universität auch 650 Jahre danach in gewisser Weise honorieren. Kurzum, ich bin in die Ausstellung „Wien 1365-eine Universität entsteht“ im Prunksaal der Nationalbibliothek gegangen. Der Prunksaal selbst ist einfach nur umwerfend, man kann förmlich das Wissen spüren das von den massiven Regalen ausströmt. Auch die kleine Reise in die Vergangenheit der Uni war äußerst faszinierend.

Neben dem langen und beeindruckenden Gründungsbrief vom Rudi habe ich hier nun endlich auch eine Antwort auf die quälende Frage meiner Schulzeit „Wozu brauch der Mensch Latein?“ gefunden… naja oder so ähnlich. Nur wer nämlich nicht mit seinen Lateinkentnissen in der Uni prahlen konnte, hätte studieren können. Ich kann also mein kleines Latinum dafür verwenden zu sagen „Jeiii! Vor hunderten Jahren hätte ich an der Uni Wien studieren können!“. Ok leider eher nicht, da damals diskriminierenderweise „Gender“ noch ein Fremdwort war und nur Männer studieren durften. Zum Glück sind also diese dunklen lateinischen und diskriminierenden Zeiten an der Uni vorbei… es lebe auch die studierende Frau ohne Lateinkentnisse!

Interessant zu sehen war, dass sich einige Dinge auch nach 650 Jahren nicht ändern. Schon damals genau wie heute war das Vorlesungsverzeichnis, das in einem Buch wirr zusammengeschrieben wurde, für mich kaum zu entziffern und äußerst chaotisch. Außerdem schien es zu früheren Jahrhunderten genauso unter den Studenten, trotz dem ganzen Latein usw. auch weniger kluge Köpfe gegeben zu haben. Da schreibt doch tatsächlich einer in so ein kostbares Lehrbuch hinein „Hallo! Habe das Buch gerade fertig gelesen!“. Sehr lustig zu sehen, wie die Uni ganz stolz dieses Exponat herzeigt als wollte sie damit zeigen „Ja auch schon zu früheren Zeiten wurden unsere Bücher von dummen Leuten beschmiert!“…..

Nach der Ausstellung, die nur noch bis zum 3.5. geht, habe ich mich dennoch sehr dankbar gefühlt an der Uni Wien studieren zu dürfen.Studieren zu können war zu früheren Zeiten- und ist es leider heutzutage in manchen Ländern immer noch- ein Privileg dem man sich als Student(in) unbedingt bewusst werden sollte.

„Universities have always been capable of moving people and ideas across borders“ – Wien 1365, creating a university

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