Studierst du eigentlich oder bist du nur im Dauerurlaub?- Was es bedeutet Erasmus zu machen

img_1520-2Ja die Frage bekomme ich in letzter Zeit öfter gestellt. Eigentlich auch nicht unberechtigt wenn man sich all die ganzen Kurztrips und Erlebnisse während meines Erasmus anschaut 😉 Eine wirkliche Antwort habe ich darauf nicht, denn ja ich muss auch zugeben, es gibt Phasen in meinem Erasmus da fühle ich mich auch mehr im Urlaub als in einem wirklichen Auslandssemester. Wer jetzt aber denkt Erasmus machen bedeutet Urlaub vom Studium zu machen und nur auf der faulen Haut zu liegen denkt falsch. 

Natürlich, Erasmus ist für mich in erster Linie neue Erfahrungen zu sammeln, neue Kulturen kennen zu lernen und ja, auch sehr viel Spaß zu haben.

Dazu muss man sich aber vielleicht auch ein paar Punkte anschauen.

Ich weiß nicht wie es an anderen Universitäten ausschaut, aber an meiner ist es garantiert kein Zuckerschlecken ein Erasmus zu organisieren. Es ist sehr viel verwirrender Papierkram nötig und zudem auch eine gewisse erforderliche ECTS-Anzahl. Natürlich ist diese nicht unbedingt unrealistisch hoch, aber da ich nicht ein Semester verlieren wollte habe ich schon ganz gut vorgearbeitet, damit ich trotz Erasmus in der Regelstudienzeit fertig werde. Das bedeutet, dass es vor dem Erasmus Phasen gab in denen ich fast durchgedreht bin weil mir das alles etwas zu viel wurde. Ich bin ganz froh, dass ich nicht die einzige in meinem Umfeld war die ein Erasmus plante und wir uns gegenseitig helfen konnten uns im Chaos zurecht zu finden. Was ich damit sagen möchte: allein ein Erasmus zu organisieren ist sehr nervenaufreibend.

Dann im Erasmus angekommen ist es zu Beginn auch nicht gerade einfach. Man muss ich in der neuen Umgebung und den ganzen Uni Kursen zurecht finden. Ich habe am Anfang noch etwas gebraucht um zu verstehen „wie der Hase läuft“ an der Uni Antwerpen. Dass z.B. die Vorlesungen extrem klein sind, es deshalb sinnvoll ist so oft wie möglich zu gehen auch wenn die meisten VOs hier 3 Stunden dauern. Außerdem gibt man auch in den Vorlesungen (nicht nur in den Tutorien) Seminararbeiten ab. Wissenschaftliches Schreiben auf Englisch ist auch eine wirklich interessante Erfahrung ;). Man hat also tatsächlich Uni und sollte auch schauen, dass man alle Kurse besteht ansonsten bekommt man ein riesiges Problem.

Aber insgesamt kann ich mich natürlich nicht beschweren. Zudem ich auch ein Studium habe, dass nicht unglaublich anspruchsvoll ist. Wenn man erst einmal begriffen hat „wie der Hase läuft“ und wie man sich die Zeit richtig einteilt, sodass die Uni nicht zu kurz kommt kann man sich in den spaßigen Teil des Erasmus stürzen. Und ja das bedeutet für mich viel Reisen, viele neue Leute kennen lernen und auch einige Parties. Schließlich ist das eine einzigartige Zeit in meinem Leben und die möchte ich voll und ganz auskosten.

Ich merke auch wie gut mir das Erasmus langsam tut. In Wien kann ich mich oft nicht entscheiden was mein nächster Schritt ist. Es gibt einfach so viele Wege die mich interessieren und die ich gerne einschlagen möchte. Besonders hinsichtlich des bald beginnenden Masters ist das dann gar nicht so einfach. Da hat man den Kopf manchmal wirklich ganz schön voll mit vielen Dingen. Wenn man dann ein paar Monate sich von all dem Trubel distanziert und sich mal in Ruhe in einer anderen Umgebung Gedanken über die Zukunft machen kann ist das eine ganz schöne Erleichterung. Wisst ihr was ich meine? Einfach mal wieder intensiver auf sich selbst hören und sich nicht von seinem Umfeld beeinflussen lassen. Klingt sehr philosophisch, aber ich fühle so richtig: Erasmus zu machen ist in jeder Hinsicht eine Bereicherung!