Real first impressions of Antwerp- mein erster Tag meines neuen Erasmus Lebens

img_1088-2Nach so vielen Reiseposts und der Ankündigung, dass ich dieses Semester ein Erasmussemester in Antwerpen verbringen werde fragt ihr euch alle bestimmt: wie ist es nun in Antwerpen? Schließlich war nach unserem kleinen Holland-Belgien Trip die große und glorreiche Endstation Antwerpen und mein neues Leben als Erasmus-Studentin. So sehr ich doch jetzt mein Erasmusleben hier in Antwerpen genieße, möchte ich ehrlich zu euch sein. Ein paar Tage bevor wir tatsächlich nach Antwerpen gefahren sind und wir noch eine wunderschöne Zeit in Den Haag verbrachten wurde mir schon etwas mulmig zumute. Zum einen konnte ich es gar nicht abwarten endlich in Antwerpen zu sein und endlich mein Auslandssemester zu beginnen, dem ich so lange entgegen gefiebert hatte. Andererseits hatte ich auch etwas Angst.

Natürlich hatte ich mich schon etwas über Antwerpen informiert, aber ich liebe es eigentlich kleine Abenteuer zu erleben und war nicht komplett belesen über die Stadt. Was wenn es ganz anders wird wie ich es mir vorstelle? Und wenn ich vor lauter Heimweh mein Erasmus gar nicht genießen kann? Was wenn ich keine netten Leute kennen lerne? Und was wenn mich Antwerpen einfach nur langweilt? So viele Ängste schossen mir durch den Kopf. Klar ist da noch die andere vernünftige Stimme, die einem sagt dass es eh nur für ein paar Monate ist und man nichts zu verlieren hat. Aber das mulmige Gefühl bleibt. Während ich immer besorgter wurde, schien mein Freund immer euphorischer zu werden, was irgendwie seltsam war (sollte es nicht umgekehrt sein?). Bis dann der Tag kam und wir nach Antwerpen fuhren.

Als wir in die Stadt hinein fuhren und nur Industrie und vergammelte Häuser sahen wurde mir langsam etwas schlecht. Da sollte ich jetzt also leben? Als wir dann immer weiter in die Stadt mit dem Bus hinein fuhren und das Stadtbild nicht besser wurde wurde mir dann wirklich schlecht. Das kann doch nicht die Stadt sein, die ich mir für mein Auslandssemester ausgesucht hatte! Wunderschöne Hafenstadt und angebliche Modemetropole? Fehlanzeige! Am Bahnhof angekommen ging es schon etwas besser: dieser sieht aus wie ein prunkvoller leicht orientalischer Palast. Ich habe wirklich noch nie so einen wunderschönen Bahnhof gesehen (siehe Bilder)!

Und dann kam der richtige Kulturschock. Mein Studentenhaus liegt in einem wirklich sehr „interessanten“ Viertel. Wir fuhren mit der Bim (die auch optisch gesehen noch aus der UDSSR stammen könnte) zunächst durch das Chinatown in Antwerpen und dann durch mein Viertel, das mich sehr stark an Wien im 10. Bezirk erinnert. Nur noch etwas heftiger, teilweise komm ich mir vor wie in einer verdreckten arabischen Kleinstadt in der einem die Leute wirklich Angst machen. Ich kam mir gar nicht mehr wie in einer europäischen Stadt vor. Man hört leider nichts gutes über das Viertel hier und ich traue mich inzwischen bei all dem was hier passiert langsam nur noch mit Pfefferspray auf die Straße. Mein Freund meinte auch so „da hast du dir ja eine tolle Stadt ausgesucht- bitte geh niemals allein auf die Straße“.  Ab da an konnte ich nicht mehr und die ersten Tränchen rollten mir über die Wangen. Ich hatte mir das komplett anders vorgestellt. Ja auch das ist Erasmus, erst mal enttäuscht darüber sein wo man gelandet ist und auch Tränchen vergießen weil man eigentlich lieber wieder fahren möchte.

Ihr seht, mein Start war nicht unbedingt rosig. Wenn es nach mir gegangen wäre, wäre ich sofort ins nächste Flugzeug gestiegen und weg geflogen. Ich wollte hier einfach nicht bleiben. Tja aber das war nunmal nur das Ghetto Viertel in dem ich gelandet bin. Mein Freund konnte es nicht mehr ertragen mich so leiden zu sehen und obwohl es dann schon mitten in der Nacht war, sind wir noch in die Innenstadt damit ich nicht nur mein hässliches Viertel am ersten Tag gesehen habe. Und Gott sei dank! Die Innenstadt ist zwar wirklich klein, aber dafür echt ein Traum! Schlagartig ging es mir besser.

Und auch als wir am nächsten Tag ein paar Leute von meinem Studentenwohnhaus kennen lernten, die alle so unglaublich nett und cool drauf waren konnte ich mich langsam an den Gedanken gewöhnen hier ein Semester zu verbringen. Ich war sehr erleichtert als auch sie berichteten, dass sie sich in unserem Viertel auch nicht so wohl fühlen (unser Lieblingslied war eine Zeit lang „Jenny from the block“) wir aber oft gemeinsam weg gehen und man sich keine Sorgen machen sollte.

Denn eigentlich habe ich nach fast schon über einem Monat hier in Antwerpen festgestellt: das wichtigste bei Erasmus ist nicht die Stadt in der man lebt oder das Viertel in dem man wohnt, sondern tatsächlich die Menschen mit denen man Zeit verbringt! Ich habe noch nie so viele tolle Menschen von überall aus der Welt in so kurzer Zeit kennen gelernt!

Und so viele haben das gleiche berichtet: Fast alle hatten am Anfang von Erasmus mit irgendetwas zu kämpfen und fühlten sich nicht wohl. Sie es das lausige Studentenwohnheim, Heimweh, die fremde Kultur oder wie in meinem Fall die Wohngegend. Aber jeder den ich getroffen habe bereut seine Entscheidung nicht Erasmus zu machen.

Erasmus kann einfach noch so viel mehr- so wenig ich mich auch am Anfang wohl gefühlt habe denke ich inzwischen, dass es die beste Entscheidung war hierher zu kommen! Ich bin schon richtig traurig wenn ich daran denke, dass ich im Januar wieder fahre…

Ich wünschte ich hätte euch von meinem großartigen ersten Eindruck von Antwerpen berichten können und wie toll ich die Stadt von Anfang an fand. Dem war aber leider nicht ganz so…. In den nächsten Monaten werde ich sicherlich noch einiges von meinem Erasmus Abenteuer berichten und wie ich schnell entdeckt habe, wie großartig es ist ein Auslandssemester machen zu können.

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